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"Wir müssen ein Grundrecht auf Sport verankern" - warum der Sport nicht noch mal ausgesperrt werden darf"

2021-11-18
Prof. Dr. Thomas Rieger

Die vierte Welle rollt, Covid-19 ist nur schwer in den Griff zu kriegen. Wieder steuern wir auf Einschränkungen im öffentlichen Leben zu, die wiederum schwerwiegende Auswirkungen auf den Amateur- und Breitensport haben könnten. Die Folgen für Jugendliche und Erwachsene aber auch für Vereine und Gesellschaft wären fatal. Dabei sind Bewegung und Sport nicht Teil des Problems, sondern wichtiger Teil der Lösung. Deshalb fordert der Gesundheitsexperte und Professor für Sportmanangement an der privaten University of Europe, Prof. Dr. Thomas Rieger: „Wir müssen ein Grundrecht auf Sport verankern."

 

"Die Bestandsaufnahme des Deutschen Olympischen Sportbunds nach dem ersten Jahr der Corona-Pandemie zeigt ganz deutlich: Wir dürfen den Sport nicht noch mal aussperren", erklärt Prof. Dr. Thomas Rieger, Senior Expert für Sport und Gesundheit und Professor für Sportmanagement an der University of Europe for Applied Sciences. Fast drei Prozent seiner insgesamt 27 Millionen Mitglieder:innen haben die Sportvereine in Deutschland im Jahr 2020 verloren. In absoluten Zahlen bedeutet das einen Verlust von 800.000 Mitglieder:innen - das sind mehr, als die Stadt Frankfurt am Main Einwohner hat. „Die Folgen des Verbots von Breitensport im vergangenen Jahr waren aber nicht nur für die Vereine, sondern vor allem auch für Menschen aller Altersgruppen verheerend", so Thomas Rieger weiter.

 

Bewegung und Sport sind Teil der Lösung, nicht des Problems 

 

Während die Politik mit ihren Maßnahmen den Eindruck erweckt hat, dass der Sport ein Teil des Problems, sprich ein Infektionstreiber sei, kommt die Wissenschaft zu einem anderen Ergebnis. Sport und Bewegung stellen nicht nur einen relevanten Präventivfaktor dar, sondern es lässt sich in den vergangenen Covid-19-Monaten auch zunehmend ein wissenschaftlicher Erkenntnisgewinn erkennen. So zeigen zum Beispiel die Studien von Sallis und Kollegen (veröffentlicht im British Journal of Sports Medicine) und von Salgando-Aranda und Kollegen (veröffentlicht in der Zeitschrift Infectious Diseases and Therapy), dass die Erfüllung der empfohlenen Bewegungsstandards bei durch COVID-19 infizierten Personen mit einem erheblich geringeren Risiko einer Hospitalisierung und eines schweren Krankheitsverlaufs einhergeht. Die Autoren empfehlen die Integration von körperlicher Aktivität in öffentliche Gesundheitsstrategien im Kontext von COVID-19. Bewegung und Sport sind also nicht Teil des Problems, sondern der Lösung.

 

„Eine wesentliche Botschaft in der Pandemiebekämpfung ist die Differenzierung zwischen Indoor- und Outdooraktivitäten. Indoor ist gefährlich, Outdoor ist ungefährlich, vor allem bei Aktivitäten die kontaktlos ausgeführt werden. Eine naheliegende Lösung wäre, Indooraktivitäten nach draußen zu verlagern oder bei Outdoorsportarten darauf hinzuweisen, dass sie tatsächlich auch draußen stattfinden", erklärt Prof. Dr. Thomas Rieger.

 

Die Langezeitfolgen sind verheerend: Kinder verlieren den Bezug zum Sport und Talente gehen verloren

 

"Neben den gesundheitlichen Folgewirkungen, die sich durch den Stillstand ergeben, verliert der organisierte Sport gerade eine ganze Generation an Talenten. Kinder und Jugendliche haben den Bezug zum Sport verloren. Hoffnungsvolle Talente orientieren sich anderweitig und fehlen dem Spitzensport zukünftig. Das macht die Zukunftsperspektiven für den in die Kritik geratenen Spitzensport in Deutschland nicht besser", so Rieger weiter.

Doch nicht nur der Spitzensport leidet. Auch der Breitensport und die Familien werden vor Probleme gestellt. „Sportvereine und ihre Angebote bilden einen wesentlichen Anker im Alltag von Familien. Der Wegfall von Angeboten stellt somit nicht nur sportlich aktive Jungen und Mädchen, sondern auch deren Familien vor große Herausforderungen", weiß der angesehene Experte für Sport und Gesundheit.

 

Ein Grundrecht auf Sport verankern

 

Doch leider fehlte dem Breitensport hier in der Vergangenheit die starke Lobby - und die Unterstützung durch die öffentliche Verwaltung. Viele von Vereinen initiierte Initiativen wurden von den örtlichen Behörden im vergangenen Jahr unterbunden. Selbst ein sicheres kontaktloses Training im Außenbereich war somit nicht möglich. Es wurde einfach verboten. "Wäre es so abwegig Unternehmergeist und Eigeninitiative auch durch die öffentliche Verwaltung dahingehend zu unterstützen, indem man nicht von vorneherein negiert, sondern kooperiert, Hilfestellung gibt, Vorschläge für Optimierungen einbringt", fragt sich Thomas Rieger. Offensichtlich nicht, scheint doch das Verbot der einfache und sichere Weg zu sein. "Leider durchzieht der Geist des Passiven und nicht der Geist des Aktiven weite Teile der Verwaltung und des COVID-Managements", analysiert Rieger. Dabei wäre bei all den positiven wissenschaftlichen Erkenntnissen etwas ganz anderes gefragt. Der Professor für Sportmanangement an der University of Europe for Applied Sciences hat da eine Idee: "Wir sollten ein Grundrecht auf Sport verankern."

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Bitte wenden Sie sich an Jessica Carolin Barthel-Jelkmann unter jessica.barthel@gusgermany.de

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