>, Berufseinstieg, Studierende>Arbeit als Freelancer: Wie berechnet man seinen Stundenlohn? Part 1

Arbeit als Freelancer: Wie berechnet man seinen Stundenlohn? Part 1

Mit der Selbstständigkeit kommt die Verantwortung, selber festlegen zu müssen, wie hoch der eigene Stunden- bzw. Tagessatz sein soll.
In unserem heutigen Artikel gehen wir auf die verschiedenen Faktoren ein, anhand denen du deinen Stundensatz berechnen kannst.

Zusätzliche Kosten tragen

Für die Berechnung deines Stundensatzes musst du vorausschauend planen. Neben deinen laufenden Kosten möchtest bzw. musst du mit deinem Verdienst noch weitere Ausgaben decken können.
In deine Kalkulation sollten daher zusätzlich Krankheits- und Urlaubstage, Auftragsflauten und Motivationstiefs, deine private Altersvorsorge sowie anfallende Sozialversicherungen, Krankenkassenbeiträge und Steuernachzahlungen an das Finanzamt einbezogen werden.
Alles zusammen ergeben um die 20%, die du zusätzlich mitrechnen musst. Ein Arbeitgeber übernimmt einen Anteil von verschiedenen Versicherungen. Wenn man z.B. ein Bruttogehalt von 3.000 Euro verdient, dann zahlt der Arbeitgeber die 20%, also knapp 600 Euro, für dich ein. Als Freelancer musst du für diesen Teil selbst aufkommen.

Wie du siehst, hängt dein Verdienst nicht nur von einem Monat ab, sondern sollte für das gesamte Jahr und langfristig berechnet werden. Diese Perspektive ist besonders wichtig, wenn du einen Auftrag annimmst, bei dem du für eine längere Zeit mit einem Kunden zusammenarbeitest. Du kannst nicht urplötzlich deine Preise anheben, wenn du exakt dieselben Aufgaben wie zuvor ausführst. Bei langen Partnerschaften solltest du noch mehr darauf achten, wie du deinen fairen Stundensatz berechnest.

Aufträge selektieren

Ist jeder Auftrag ein guter Auftrag? Nein! Auch wenn der Kunde und dessen Angebot auf den ersten Blick lukrativ erscheinen, so kann das durchaus täuschen. Neben deiner aktiven Arbeit an der Aufgabe musst du ja noch das ganze Drumherum berechnen. Man hat immer mehr Zeitaufwand, als es einem direkt bewusst ist. Dies kann von Fahrtwegen, über Recherche bis zu zusätzlichen Kundentreffen reichen. Wenn ein Job dir keinen Gewinn einbringt, dann solltest du ihn nicht annehmen.

Genauso wichtig ist, dass du dich nicht unter deinem Wert verkaufst. Du hast bewusst die Selbstständigkeit gewählt und möchtest auf gar keinen Fall weniger bezahlt werden, als ein Angestellter im Durchschnitt.
Erkundige dich also, wie viel du in einer Festanstellung in etwa verdienen würdest und berechne den Betrag auf den Stundensatz herunter. Selbst dann ist dieser Satz noch zu gering. Wie oben erwähnt, fallen bei dir noch weiteren Kosten an und du hast keinen Arbeitgeber, der noch einen bestimmten Prozentsatz zahlt.

Gewinn und Risiken nicht vergessen

Natürlich möchtest du aus deiner Arbeit auch einen Gewinn rausschlagen. Es bringt nichts, nur so viel zu verdienen, um gerade so über die Runden zu kommen. Deine Einnahmen müssen die deiner Ausgaben überwiegen. Du wirst nicht jeden Monat die gleiche Auftragslage haben und wenn es mal nicht so gut läuft, solltest du eine Reserve in der Rückhand haben.

Ein Unfall kann sehr schnell geschehen und plötzlich ist man für einen längeren Zeitraum arbeitsunfähig. Als Selbstständiger musst du in deinen Stundensatz gewisse Risiken mit einbeziehen. Im Gegensatz zu einem Arbeitnehmer erhältst du kein Krankengeld von einem Arbeitgeber, sondern musst für die ausfallenden Kosten selbst aufkommen.
Ein weiteres Risiko ist dein Equipment. Als Freelancer arbeitest du oft mit deinem eigenen Laptop, benötigst Lizenzen und andere Materialien. Es kann vorkommen, dass etwas unerwartet kaputt geht und du dir Ersatz anschaffen musst. Ohne Gewinn bzw. eingeplante Rücklagen wird es schwierig, das Kaputte zu ersetzen.

Arbeitstage richtig berechnen

Als Freelancer kannst du dir zwar deine Arbeitszeit frei und flexibel einteilen. Das heißt aber noch nicht, dass du auch wirklich an 365 Tagen im Jahr deiner Selbstständigkeit nachgehen wirst.
Wenn du Wochenenden (104 Tage) sowie Feiertage, die je nach Bundesland variieren (zwischen 9 und 16 Tagen), abziehst, dir wie ein regulärer Arbeitnehmer um die 28 Tage Urlaub gönnst und mit ein paar Krankheits- und Weiterbildungstagen (jeweils 5 Tage) rechnest, dann verringern sich deine möglichen Arbeitstage auf 210 Tage pro Jahr.
Im Monat sind das gerade einmal 17,5 Tage. Plötzlich sind die Tage, in denen du Geld verdienen kannst, recht gering geworden. Mit einem zu gering angesetzten Stundenlohn, schaffst du es nur schwer, alle deine Kosten decken zu können.

Neben deiner aktiven Arbeit bei Kunden fallen auch unproduktive Phase an, in denen du nicht dein übliches Handwerk ausführst. Trotzdem müssen diese Aufgaben erledigt werden.
Dazu zählt das Anfertigen von Rechnungen, aktive Kundenakquise betreiben und dem Erstellen von individuellen Angeboten für deine Kunden. In der Zeit verdienst du kein Geld, sie ist aber ein zwingend notwendiger Bestandteil deines Jobs. Da deine unproduktive Zeit auch ein Teil deines Berufs ist, solltest du sie mit in deinen Stundensatz einkalkulieren.

 

Zum Abschluss kann gesagt werden, dass du viele Faktoren bei der Berechnung deines Stundensatzes beachten musst. Da du als Freelancer nicht mehr angestellt bist, musst du noch zusätzlich die Rolle eines Arbeitgebers übernehmen. Bedenke auch gewisse Risiken und schaff‘ dir genügend Rücklagen. Auch wenn du als Selbstständiger eigenständig entscheiden kannst, wann und wo du arbeitest, sind 365 Tage einfach zu viel. Plane die Pausen und unproduktiven Phasen mit bei deiner Berechnung ein.

Arbeit als Freelancer: Wie berechnet man seinen Stundenlohn? Part 2

In unserem nächsten Beitrag der „Arbeit als Freelancer“ – Reihe erklären wir dir anhand eines Beispiels, wie du deinen Stundensatz genau berechnen kannst.
Verpass‘ also nicht unseren nächsten Artikel am Freitag, den 4. Oktober 2019, wenn es an‘s Eingemachte geht!

Von |2019-09-05T15:38:28+02:00September 20th, 2019|Absolventen, Berufseinstieg, Studierende|