>, Absolventen, Berufseinstieg, Karrieretipps, Schüler, Studierende>Ist der Begriff „Work Life Balance“ noch aktuell?

Ist der Begriff „Work Life Balance“ noch aktuell?

Den Begriff „Work Life Balance“ hast du bestimmt schon einmal gehört. Doch dieser Begriff hat sich mit der Zeit entwickelt. Viel eher wird heutzutage von einer „Work Life Integration“ gesprochen. Worum es sich dabei handelt und wie anwendbar diese Lebensweise in unserem Alltag wirklich ist, haben wir einmal Gina Kuhr gefragt, die als Career Center Coordinator an der UE arbeitet. Aus dem Career Center der UE heraus hat sie täglich mit Studierenden zu tun und leitet ebenfalls Workshops zu diesen Themen. 

Inwieweit macht der Begriff „Work Life Balance“ aktuell noch Sinn? Wie hat dieser Begriff sich weiterentwickelt? 

Gina Kuhr: Der Begriff „Work Life Balance“ ist größtenteils bereits ersetzt worden. Das Wort „Balance“ vermittelt, dass Arbeit und Leben zwei unterschiedliche Dinge sind und jeweils die gleiche Gewichtung erhalten. Das spiegelt die Lebensrealität der meisten Menschen jedoch nicht wieder. Arbeit und Freizeit werden weniger stark voneinander getrennt. Arbeitnehmer sowie Arbeitgeber sind flexibler geworden. In vielen Betrieben können Mitarbeiterinnen bereits Tätigkeiten aus dem Home Office erledigen. Der Arbeitsalltag wird wesentlich flexibler und Grenzen verschwimmen. 

Sollten Studium/Arbeit und Privatleben trotz verschwimmender Grenzen möglichst voneinander getrennt werden? 

Gina Kuhr: Es existieren noch immer Berufe, in denen beide Aspekte voneinander abgegrenzt werden können. Es handelt sich hierbei auch um eine Generationsfrage. Flexibilität kann ein Vorteil für beide Seiten sein, wenn sie ein Geben und Nehmen zwischen Unternehmen und Mitarbeitenden ist. Ob man nun ganz stark trennen möchte und kann, muss individuell entschieden werden. 

Wie vermeidet man Stress zum Beispiel in Klausurphasen? 

Gina Kuhr: Grundsätzlich entsteht Stress nicht durch eine Situation oder einem Problem an sich, in diesem Fall wären das die anstehenden Klausuren. Stress entsteht viel eher durch eine Reaktion und der Beurteilung der Situation. Dies ist der Punkt, an dem man ansetzen kann. Wenn die Situation nicht veränderbar ist, lässt sich jedoch steuern, wie man darauf reagiert. . Eine neue Denkweise erlaubt einem, sich wieder auf die wesentlichen Aufgaben zu fokussieren. 

Ebenfalls ist es wichtig, immer im Hier und Jetzt zu bleiben. Stress entsteht dadurch, immer bereits an den nächsten Arbeitsschritt zu denken. Produktiver ist es, sich völlig auf eine Aufgabe zu konzentrieren, diese abzuschließen und sich dann der nächsten Aufgabe zu widmen. 

Gibt es positiven Stress? Inwieweit wird man durch diese Situationen motiviert oder auch blockiert? 

Gina Kuhr: Es gibt ein Mittelmaß an Stress, das so ziemlich jeder in bestimmten Situationen empfindet – zum Beispiel vor einer Präsentation. Dieser Stress aktiviert die kognitiven Fähigkeiten und du hast mehr Energie. Das kann durchaus zu Höchstleistungen anspornen. 

Darf man sich überhaupt noch Pausen nehmen, wenn man erfolgreich sein möchte? 

Gina Kuhr: Wenn man erfolgreich sein möchte, kann man sich nicht leisten, keine Pausen zu machen. Darauf ist das Gehirn auch überhaupt nicht ausgelegt. Gelerntes wird am Besten im Schlaf verarbeitet. Ein erholsamer Schlaf ist also sehr wichtig, damit die Produktivität des Lernens erhalten bleibt. In diesen Pausenzeiten sollte sich auch auf die Pause selbst fokussiert werden. Gedanklich schon an das nächste Projekt oder den nächsten Arbeitsschritt zu denken, nimmt einem diese effektive Pause. 

Wie definierst du Erfolg? 

Gina Kuhr: Der Begriff Erfolg ist für jeden sehr individuell. Besonders in Klausurenphasen stellt man sich vielleicht die Frage, ob Erfolg nur eine gute Note ist oder neben dem Studium auch ein erfüllendes Leben zu führen. Dies kann jedoch nur jeder für sich alleine beurteilen. 

Welche Tipps und Tricks möchtest du uns noch mitgeben? 

Gina Kuhr: Ich denke, wir bewegen uns gedanklich viel zu oft in der Zukunft oder in der Vergangenheit. Dabei ist das Leben immer jetzt! Der Schlüssel hier ist die Achtsamkeit. Konzentriere dich auf das, was du hörst, was du riechst, siehst und finde so deinen Weg zurück in den Moment. Das wirkt dem Gedankenkreisen effektiv entgegen. Da helfen Entspannungstechniken und Mediation weiter. Weniger ist mehr. Multitasking gibt dir vielleicht das Gefühl, mehr zu schaffen, da du an allem gleichzeitig arbeitest, jedoch schaffst du wesentlich mehr, wenn du dich auf eine einzige Aufgabe konzentrierst. Gerade bei wenig Zeit ist es wichtig, achtsam zu arbeiten und sich auf eine Sache zu konzentrieren. 

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass die „Work life Integration“ Teil unseres Lebens geworden ist und dass du täglich an deinem Umgang mit Stress arbeiten kannst. Arbeit und Leben gehen Hand in Hand. Es liegt in an dir, dein Leben so zu gestalten, wie du dich am wohlsten fühlst und deine Version von Erfolg zu erreichen. 

Von |2020-02-04T11:38:35+01:00Februar 4th, 2020|Abitipps, Absolventen, Berufseinstieg, Karrieretipps, Schüler, Studierende|