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Business Psychology-Absolvent Torben Trapp zu seiner Bachelor-Thesis

Der Jahreswechsel steht bevor und in den Auslagen der Geschäfte liegen vom Marzipanschwein über Kleeblätter und Schornsteinfeger verschiedenste Glücksymbole bereit, die dem Rutsch in 2019 positiv begleiten sollen.

Doch wie steht es eigentlich um die Forschung rund ums Glücklichsein? Wir haben dazu Business Psychology-Absolvent Torben Trapp vom Campus Iserlohn befragt.
In seiner Bachelor-Thesis hat er sich mit dem Thema Wohlstand und dem damit einhergehenden Zufriedenheitsgefühl auseinander gesetzt.

Zur Person:

Torben Trapp, mittlerweile 23 Jahre alt, hat seinen Bachelor im Studiengang Business Psychology am Campus Iserlohn gemacht. Nach dem fünften Semester hat er sich für ein freiwilliges Auslandssemester an der London School of Economics entschieden. Nach eigenen Angaben hat ihn dieses stark politisiert und ihm ebenfalls einen entscheidenden Impuls zu seinem Bachelorarbeitsthema gegeben. Während seiner Studienzeit hat er in seiner Freizeit selbstverständlich den legendären Studi-Partys im B7 beigewohnt, sich jedoch auch stark politisch engagiert oder auf dem Fußballplatz verausgabt.

Du hast dich in deiner Bachelorarbeit mit einem Bereich der Glücksforschung beschäftigt. Wieso findest du diesen Bereich so spannend?

Das hat sehr viele Gründe. Einer davon war, wie bereits erwähnt mein Studium in London, während dessen wir uns in den Vorlesungen mehrfach mit diesem Thema auseinandergesetzt haben.

Ein weiterer war sicherlich, dass ich selbst, aber auch viele meiner Freunde zu Beginn unserer Zeit an der University of Applied Sciences Europe immer nur daran gedacht haben, wie wir es nach dem Abschluss am besten in irgendein großes, optimalerweise multinationales Unternehmen schaffen können, um dort in möglichst kurzer Zeit möglichst viel Geld zu verdienen.
Mein Ziel damals war es beispielsweise, nach meinem Master bei einer Beratungsfirma wie McKinsey, Bain oder BCG anzufangen, um mich dann nach fünf bis zehn Jahren von einem Dax 30-Unternehmen für eine Führungsposition abwerben zu lassen.
Das war auch der Grund, weshalb ich, um erste Beratungserfahrung zu sammeln, mein Praxissemester bei PwC in der Unternehmensberatung absolviert habe.

Was ich mich bei all diesen Karriereüberlegungen jedoch nicht ein einziges Mal gefragt habe, war, ob denn viel Geld verdienen und glücklich sein eigentlich als Synonyme zu sehen sind.
In anderen Worten: Ob denn viel Geld überhaupt glücklich macht.
Als ich meine Freunde mal auf diese Überlegung angesprochen habe, war die Antwort fast durch die Bank weg, dass natürlich viel Geld auch mehr Glücksgefühl mit sich bringen würde, sie sich aber so explizit diese Frage auch nie wirklich gestellt haben.
Diese Antwort hat mich erstens natürlich nicht überzeugt und zweitens hat es mich fasziniert, dass Menschen, die so viel über ihre Karriere nachdenken, sich nie wirklich die Frage stellen, ob sie denn durch all ihre Bemühungen am Ende überhaupt glücklich werden.

Glücksgefühl stagniert bei 75.000 US-Dollar

Verstärkt wurde mein Interesse an dem Thema dann noch durch einem Ted Talk vom Wirtschaftsnobelpreisträger und Psychologen Professor Daniel Kahneman.
Dieser beschreibt sehr eindrücklich, dass durch eine international angelegte Gallup-Studie bestätigt werden konnte, dass das sogenannte erlebte Glücksgefühl ab 75.000 US-Dollar Haushaltseinkommen pro Jahr nicht mehr ansteigt. Allerdings ist man immer unglücklicher, je weiter man unter dieser Linie liegt.
Dieses Studien-Ergebnis hat mich gepackt und ich wollte überprüfen, ob es sich für gutverdienende Menschen – im Fall meiner Arbeit Managerinnen und Manager – in Deutschland reproduzieren lässt.

Bitte beschreibe uns die Kernthese deiner Arbeit und wie sich dein wissenschaftlicher Arbeitsablauf dargestellt hat. Zu welchem Ergebnis bist du gekommen?

Die Kernthese meiner Arbeit habe ich mehr oder minder aus einer sehr interessanten Studie über die Schweiz übernommen. Diese hat gezeigt, dass nicht nur das erlebte Glücksgefühl ab einem gewissen Level nichtmehr steigt, sondern, dass die reichsten 20 Prozent der Gesellschaft sogar weniger glücklich waren als die direkt darunterliegenden 20 Prozent der Bevölkerung.
Meine These für diese Arbeit war demnach, dass es eine negative Korrelation zwischen Geld und Glücksgefühl gäbe.
Konnte ich das durch meine Erhebung bestätigen? Nein. Vielmehr gab es fast überhaupt keine signifikante Korrelation zwischen den Dimensionen des Glücksgefühls, die ich erhoben habe und dem Jahreseinkommen, was ja auch ein sehr interessantes Ergebnis ist.

Hier muss man allerdings nochmal etwas genauer differenzieren, denn wie ich schon angedeutet habe, gab es ja für ein paar der Glücksitems dann doch eine signifikant positive Korrelation. Widerlegt das deshalb die These von Kahneman? Auch hier muss man ganz deutlich sagen: Nein. Denn diese Ergebnisse lassen sich durch die zwei verschiedenen Dimensionen des Glücksgefühls zu erklären.
Bis jetzt habe ich auch sehr bewusst ausschließlich vom erlebten Glücksgefühl gesprochen. Die zweite Dimension des Glücksgefühls wird in der Fachliteratur als „Lebensevaluation“ bezeichnet. Hier nimmt man, wie der Name bereits vermuten lässt, eine retrospektive Position ein und schaut auf sein Leben zurück. Bei diesem Gefühl liegt der Fokus auf Ereignissen oder Gütern von denen wir denken, dass sie uns glücklich machen sollten.

Erlebtes Glück versus erwartetes Glück

Diese Unterscheidung wird sehr anschaulich durch folgendes Beispiel, das ich aus dem Buch Happiness by Design von Professor Paul Dolan übernommen habe: Stellen Sie sich vor, Sie sitzen mit einer Freundin zum Abendessen zusammen, die sich vehement über ihre Erfahrungen bei ihrem internationalen und renommierten Arbeitgeber beschwert. Ihr Chef verhält sich ihr gegenüber nicht gut, die Anreise zur Arbeit ist eine Katastrophe und ihre Aufgaben unterfordern sie und machen absolut keinen Spaß. Am Ende des Abends steht sie auf und sagt: „Natürlich bin ich sehr glücklich bei so einem renommierten Arbeitgeber zu arbeiten“.
Das klingt zwar wie ein Widerspruch, ist aber tatsächlich gar keiner. Ihr erlebtes Glücksgefühl bei der Arbeit ist sehr gering, während sie aber weiß, dass es sie glücklich machen sollte, für solch einen renommierten Arbeitgeber zu arbeiten, was ihren letzten Satz und ein hohes evaluatives Glücksgefühl erklärt.
Der Einfluss von Geld auf die Lebensevaluation ist sehr groß, ohne dass es eine Grenze gäbe, bei der sich dies verändern würde. Dieses Beispiel ist aber auch der Grund, weshalb ich dem erlebten Glücksgefühl eine höhere Bedeutsamkeit zuordnen würde, als der Lebensevaluation. Und, wenn wir das tun, dann bringt das natürlich erhebliche Implikationen für die Politik und unser Wirtschaftssystem mit sich.

Wie, glaubst du, kann Glücksforschung einen Beitrag für die Gesellschaft leisten?

Ich hoffe erstmal, dass die Glücksforschung überhaupt einen relevanten Beitrag für die Gesellschaft leisten wird, denn ich würde schon sagen, dass eine glücklichere Gesellschaft ein sehr erstrebenswertes Ziel ist.
Und das sowohl aus humanistischer als auch ökonomischer Sicht. So steigt beispielsweise die Produktivität von glücklichen Arbeitnehmern durchschnittlich um 12 Prozent, was ökonomisch gesehen absolut nicht zu verachten ist.
Man kann das Glücksgefühl von Arbeitnehmern natürlich auf verschiedenste Arten steigern, aber man sollte dabei nie die Auswirkungen von Geld auf das Glücksgefühl vergessen. Die Regel ist: Je weiter ich unter der Grenze von 75.000 US-Dollar Jahreseinkommen liege, desto unglücklicher bin ich.
Schaut man sich vor diesem Hintergrund die sehr ungleiche Vermögensverteilung, die fallenden Reallöhne der unteren 40 Prozent der Bevölkerung, den fallenden Anteil der Einkommen der unteren 50 Prozent der Bevölkerung am Gesamteinkommen und die schnell steigende Erwerbsarmut in Deutschland an, dann sind das auf glückstheoretischer Sicht sehr besorgniserregende Entwicklungen.

Denn verfolgt man die Logik der Glücksforschung konsequent, dann sollte das Ziel der Politik sein, möglichst viele Menschen über diese „magische“ 75.000 US-Dollar-Grenze zu heben, anstatt eine immer ungleichere Verteilung von Vermögen und Einkommen zuzulassen.

Bevölkerung näher an die maximale finanzielle Glücksgrenze bringen

Gleichzeitig werfen diese Ergebnisse auch ein neues Licht auf die wiederkehrend geführte Umverteilungsdebatte.
Es ist nicht nur so, dass Menschen unterhalb dieser Grenze immer unglücklicher werden, sondern eben auch, dass man oberhalb dieser Grenze nicht glücklicher wird. Wenn aber übermäßiger Reichtum überhaupt nicht glücklich macht, warum sollten wir als Gesellschaft dann nicht fordern, dass Teile dieses Geldes umverteilt werden, um eine glücklichere, stabilere und gesündere Gesellschaft zu kreieren?
Damit meine ich natürlich nicht, dass dem hart arbeitenden Mittelständler, der sich durch seine lebenslange Arbeit ein gewisses Vermögen aufgebaut hat, etwas von dem Geld weggenommen werden soll, das er ohnehin zu großen Teilen wieder in sein Unternehmen reinvestieren würde. Ich rede aber davon, dass übermäßiger Reichtum, der in keiner Weise mehr einen Zweck für diese Gesellschaft erfüllt oder Erbschaften von über 1,5 Millionen Euro definitiv deutlich stärker besteuert werden könnten und dieses Vorgehen aus der Perspektive der Glücksforschung auch sehr sinnvoll wäre.
Das aber natürlich nur, wenn dieses zusätzliche Geld dann auch wirklich dafür genutzt wird, um möglichst viele einkommensschwache Menschen näher an diese Glücksgrenze zu bringen. Denn Umverteilung als Selbstzweck hilft niemandem und bringt die Gefahr mit sich, die Gesellschaft zu destabilisieren. Verfolgt sie aber den von mir angedeuteten Zweck, ist sie vor diesem Hintergrund gesehen absolut fördernswert.

Gestützt wird diese Ansicht noch durch eine sehr interessante Studie von Richard Wilkinson, die belegt, dass eine Einkommensungleichheit fast zu 100 Prozent mit Glücksgefühl, sozialer Mobilität, Wohlbefinden der Bevölkerung und Vertrauenslevel korrelieren.
Je geringer die Einkommensungleichheit, desto höher das Vertrauenslevel, das Wohlbefinden, die soziale Mobilität und das Glücksgefühl. Dabei ist es irrelevant, ob von staatlicher Seite eine hohe Ungleichheit durch Interventionen und Umverteilung ausgeglichen wird, oder ob es ohne staatliche Interventionen bereits eine geringe Einkommensungleichheit gibt.
Für mich geht es schlussendlich um die Frage, in was für einer Gesellschaft wir eigentlich leben wollen und eine Gesellschaft mit hohem Glücksgefühl, Vertrauenslevel, Wohlbefinden und stark ausgeprägter sozialer Mobilität klingt für mich eindeutig sehr erstrebenswert.

Du hast nun deinen Abschluss in Iserlohn gemacht und bist gerade nach Berlin gezogen. Hast du bereits eine Idee, wo es für dich in Zukunft beruflich hingehen wird?

Das ist eine sehr gute Frage! Um ehrlich zu sein, habe ich noch keine konkrete Idee.
Ich konzentriere mich erstmal darauf, meinen Master an einer hiesigen Hochschule gut hinzubekommen und werde vor meinem Abschluss versuchen, noch ein paar Praktika im politischen Bereich zu absolvieren.
Vielleicht finde ich da ja etwas, was mir gefällt. Auf alle Fälle möchte ich mich weiterhin politisch engagieren und könnte mir sogar vorstellen, das eines Tages hauptamtlich zu tun. Ansonsten fände ich aber auch Jobs bei der UN oder der EU sehr interessant. Warten wir es mal ab.

Von | 2018-11-19T17:03:57+00:00 Dezember 28th, 2018|Absolventen, Schüler, Studienwahl, Studierende|